Gesundheitszentrum für die Community

Checkpoint ist ein Gesundheitszentrum für die Community für schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, und für Transmenschen und ihre Angehörigen.

Fragen über Risiken

Wie erkenne ich den HIV-Status meiner Sexualpartnern?

Der HIV-Status ist nicht einfach so erkennbar. Du bist selber für deine Gesundheit verantwortlich, zähle dabei nicht auf andere! Auch wenn du in einer Beziehung bist, solltest du nicht drauf warten, dass dich dein Partner über seinen HIV-Status aufklärt und du dich schützen solltest. Denn meistens wissen es deine Partner selbst nicht, können es oder wünschen es nicht zu sagen, weil sie Angst davor haben, die Beziehung zu zerstören.

Wie weiss ich, dass ich HIV-positiv bin?

Durch einen HIV-Test.

Wenn du ungeschützten sexuellen Kontakt hattest, können aktuelle Antigen- und Antikörpertest ca. zwei Wochen nach der Risikosituation feststellen, ob du infiziert wurdest. Wenn der Test negativ war, sollte dieser spätestens 3 Monate nach der Risikosituation zur Sicherheit noch einmal durchgeführt werden.

Fakt ist: du bist nur dann sicher HIV-negativ, wenn du während 3 Monaten vor dem Test und bis zum Resultat keine Risikosituation eingegangen bist. Das gilt genauso für deine Sexualpartner. Weil man grade während den ersten Wochen nach der Ansteckung sehr hoch ansteckend ist (Primoinfektion), finden viele Ansteckungen zwischen Männern statt, die glauben HIV-negativ zu sein.

Aus diesem Grund ist es sehr gefährlich ungeschützten Verkehr mit jemandem zu haben, der behauptet HIV-negativ zu sein. Insbesondere mit jenen Personen, die ungeschützten Verkehr mit anderen hatten, die von sich behaupteten HIV-negativ zu sein.

Ich habe ohne Gummi gefickt oder mir ist das Kondom geplatzt, muss ich jetzt drei Monate warten bis ich etwas machen kann?

Nein! Je nach Situation gibt es folgende Möglichkeiten:

Innert 48 Stunden

Je schneller du reagierst, umso besser! Egal ob Tag oder Nacht, gehe umgehend in den Checkpoint oder den nächstgelegenen Spital. Innert 48 Stunden nach der Risikosituation besteht die Möglichkeit eine PEP (Post-Expositionsprophylaxe) einzunehmen. Dabei muss während einem Monat eine Therapie durch Einnahme von Medikamenten gemacht werden, ähnlich der Therapie von HIV-positiven Menschen.

Nach dem 15. Tag

Vom 15. Tag nach der Risikosituation kannst du einen HIV-Test machen. Positive Resultate eines HIV-Tests sind sehr sicher. Ein negatives Resultat hingegen sollte mit einem weiteren Test nach 3 Monaten bestätigt werden.

Ich habe Angst mich infiziert zu haben aber ich traue mich nicht einen Test zu machen. Was soll ich tun?

Mit Angst und Zweifel zu leben, lohnt sich nicht! Die Medikamente der antiretroviralen Therapie (ART) haben sich stark verbessert in den letzten Jahren und ermöglichen dir ein gesundes Leben mit einer normalen Lebenserwartung. Aus diesem Grund sollte dein Interesse gross sein, deine Gesundheit zu bewahren und regelmässig einen HIV und andere STI-Tests zu machen. Weisst du Bescheid über deinen Status, kannst du auch deine Partner besser schützen.

Heilen die Medikamente die HIV-Infektion?

Nein.

Die HIV-Therapie verhindert jedoch, dass sich der Virus weiter vermehren und entwickeln kann. Unter einer funktionierenden HIV-Therapie haben Menschen mit HIV mit einer hohen Lebensqualität eine ähnliche Lebenserwartung wie die Allgemeinbevölkerung.

Ist das Risiko sich zu infizieren kleiner, wenn man beim Ficken aktiv ist?

Ja, das Risiko ist vermindert. Wenn du ohne Kondom fickst, ist das Infektionsrisiko weniger hoch, als wenn du gefickt wirst und Sperma in den Anus bekommst. Das Infektionsrisiko ist aber trotzdem hoch. Viele ausschliesslich aktive Schwule haben sich mit HIV infiziert. Aktiv oder Passiv sind also sicher keine Kriterien, um das Risiko einzuschätzen, geschweige denn deswegen für das eigene Verhalten Schlussfolgerungen zu ziehen.

Kann ich auch mit HIV infiziert werden, wenn man nicht in mir abspritzt?

Ja.

Beim Sex kein Sperma in den Anus zu bekommen reduziert zwar das Risiko, aber es eliminiert dieses nicht. Du kannst dich mit HIV auch dann anstecken, wenn dein Partner nicht ejakuliert.

Ist es gefährlich meine Partner zu blasen? Und wie ist es, wenn Lusttropfen in den Mund kommen?

Nein.

Wenn dein Partner nicht in deinem Mund abspritzt, kannst du ohne Risiko blasen. Im Lusttropfen ist die Virenmenge zu gering, um sich dadurch infizieren zu können. Sich blasen zu lassen ist auch ohne Risiko.

Riskiert mein Partner sich anzustecken, wenn ich HIV-positiv, unter Therapie und ohne nachweisbare Viruslast bin, und er auf das Kondom verzichtet?

Nein, hier gilt das sogenannte EKAF-Statement oder Swiss Statement, es stellt folgende Bedingungen:

  • Man lebt in einer treuen Beziehung
  • die HIV-Medikamente werden konsequent, wie vorgeschrieben, eingenommen
  • die Viruslast ist seit mindestens 6 Monaten nicht mehr nachweisbar
  • es ist keine andere STI vorhanden
Stimmt es, dass eine Beschneidung das Ansteckungsrisiko minimiert?

Ja, aber nur für den aktiven Partner. Verschiedene Studien bei Heterosexuellen haben gezeigt, dass sich das Risiko um bis zu 60% reduziert. Aber dies allein ist kein Freifahrtschein, auf Safer Sex zu verzichten.

Gibt es Pillen oder Gels, die das Kondom ersetzen können?

Nein.

Die Forschung arbeitet an solchen Produkten, aber noch keines hat sich als genügend wirksam erwiesen.

Bareback (BB)

Grundsätzlich wird der Begriff barebacking für den sexuellen Verkehr ohne Kondom unter Männern verwendet. Bareback umfasst aber nicht jede Art von ungeschütztem Verkehr, zum Beispiel in einer festen Beziehung, sondern vielmehr den starken Wunsch, ohne Kondom zu ficken. Natürlich birgt diese Praktik unter Umständen eine hohe Infektionsgefahr.

Viele schwule und bisexuelle Männer, die sich meist schützen, haben ab und zu das Verlangen nach Sex ohne Kondom. Am Ende setzen sie sich Risiken in einer stark betroffenen Gruppe aus: 15% der Schwulen in der Schweiz sind HIV-positiv, das darf man nicht vergessen!

Besprich dies mit deinem Arzt oder dem Arzt im Checkpoint.

«Im Fernsehen gesehen»

Die Entwicklung der Pornos in den letzten Jahren ist ein regelrechter Spiegel der sexuellen Fantasien von homosexueller Erotik. Der Trend, auf das Kondom zu verzichten, ist sehr gross. Deshalb werden risikoreiche Praktiken dermassen in Szene gesetzt, dass ohne Unterbruch Sperma in Mund und Arsch ejakuliert wird.

Nun aber zeigen alle Studien, dass sexuelle Risiken unter den schwulen und bisexuellen Männern steigen und die Epidemie voranschreitet und schlussendlich die gezeigten Praktiken in Pornos keine guten Ratgeber sind.

Du nimmst ein Risiko in Kauf, weil…

du denkst, dass HIV nicht so schlimm ist.

Wenn du HIV-negativ bist…

Das HI-Virus bleibt für immer im Körper der infizierten Menschen. Die Therapie verhindert nur die Vermehrung des Virus. Nebenwirkungen wie Durchfall, Müdigkeit, Lipodystophie, Depressionen usw. können sehr einschränkend sein. Die Risiken für deine Gesundheit sind nicht zu unterschätzen! Zudem sind laut dem aktuellen Wissensstand die Medikamente während des ganzen Lebens einzunehmen.

Wenn du HIV-positiv bist…

Du unterschätzt vielleicht die Gefahr anderer STI (Syphilis, Tripper, Hepatitis C, usw.), die bei einer bestehenden HIV-Infektion akuter verlaufen können und schwieriger zu behandeln sind.

Du verzichtest auf den «Zwang der Prävention», das Kondom und Gleitmittel, und akzeptierst bareback…

Leider kann nur die Verwendung von Kondomen zusammen mit Gleitmittel auf Basis von Wasser oder Silikon vor HIV und anderen STI schützen. 

Eine Epidemie kann nicht eingedämmt werden, wenn nicht jeder seinen tatkräftigen Beitrag leistet. Praktizierst du Sex ohne Kondom so trägst du direkt zur Verbreitung des Virus bei.

Wenn du HIV-negativ bist…

Du riskierst dich mit dem HI-Virus infizieren zu lassen und dein ganzes Leben starke Medikamente einnehmen zu müssen. Du riskierst auch in Kontakt mit anderen STI zu kommen, die für dich einen nachteiligen Effekt haben und die Übertragung des HI-Virus erleichtern.

Wenn du HIV-positiv bist…

Du riskierst jemanden mit HIV zu infizieren, in Kontakt mit anderen STI zu kommen und so das eigene Immunsystem zu schwächen.