Gesundheitszentrum für die Community

Checkpoint ist ein Gesundheitszentrum für die Community für schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, und für Transmenschen und ihre Angehörigen.

Wie entwickelt sich eine HIV-Infektion?

 

HIV infektion

Primoinfektion / Serokonversion

Nach einer Inkubationszeit von einigen Tagen bis wenigen Wochen nach Infektion zeigt sich bei bis zu 90% der Patienten eine akute grippeähnliche Erkrankung, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Häufig tritt Fieber zwischen 38° und 40° auf, das für etwa 5-8 Tage besteht. Oft zeigen sich ein (zum Teil nur zarter, Rumpf, Hals, Gesicht betreffender) Hautausschlag, Aphthen und Lymphknotenschwellungen. Halsweh, Gelenk- und Muskelschmerzen und Husten, aber auch Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen können auftreten.

Das heisst aber auch, dass 20 % aller Neuinfizierten überhaupt keine Symptome spüren.

Symptome
 Fieber (≥38ºC)  80 %
 Hautausschlag  55 %
 Gelenk- und Muskelschmerzen  55 %
 Kopfschmerzen  50 %
 Halsschmerzen  45 %
 Entzündung der Lymphknote  40 %
 Wunde Stellen im Mund und/oder an den Genitalien  30 %
 Kopfschmerzen  50 %

Quelle : Battegay M, Hirschel B. HIV-Primoinfektion. Therapeutische Umschau 2004;61(10):609-612.

In dieser ersten Infektionsphase von HIV kommt es zu einem massiven Anstieg der Viruslast, die bis zu Millionen von Viren pro Milliliter Blut betragen kann. In diesen Wochen sind die betroffenen Personen sehr ansteckend (siehe Kapitel Epidemiologie).

Wenn in den ersten Tagen bis wenigen Wochen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr Symptome auftreten, sollte man beim Hausarzt/der Hausärztin oder im CHECKPOINT eine mögliche Primoinfektion ausschliessen lassen (s.u.).

Früh- oder Soforttherapie mit antiretroviralen Medikamenten kann möglicherweise dazu beitragen, dass die HIV-Infektion weniger Schaden anrichtet und langfristig vom Immunsystem besser kontrolliert werden kann.

Chronische Phase

Beim natürlichen Verlauf, also ohne antiretrovirale Therapie, sinkt die Viruslast nach der Primoinfektion auf ein individuell unterschiedlich hohes Niveau ab und bleibt meist über mehrere Jahre recht konstant. Die Helferzellzahl (CD4-Zellen) nimmt im Durchschnitt jährlich um 50 bis 70 Zellen/µl ab. Dieser Abfall kann bei hoher Viruslast noch schneller geschehen. In dieser chronischen Phase haben die meisten Patienten keine Beschwerden. Zunehmend können aber als Zeichen der Abwehrschwäche unter anderem Mundsoor, Gürtelrose oder harmlose, aber für HIV charakteristische Veränderungen am Zungenrand auftreten.

Regelmässige Kontrollen und Start einer antiretroviralen Therapie

Im Rahmen regelmässiger Kontrollen wird die Immunsituation eingestuft, vor allem basierend auf der Helferzellzahl, unter Mitberücksichtigung der Viruslast. Zur Einschätzung, wann der Start einer antiretroviralen Therapie ratsam ist, werden weitere Faktoren hinzugezogen wie mögliche Beschwerden im Rahmen der HIV-Infektion, zusätzliche Erkrankungen, das Alter. Dem Patienten sollte bewusst sein, dass es sich um eine täglich einzunehmende und gemäss aktueller Einschätzung lebenslängliche Therapie handelt. Mittlerweile stehen so viele Mittel der antiretroviralen Therapie zur Verfügung, dass für jede Patientensituation eine passende und nebenwirkungsarme Kombination gefunden werden kann. Verlaufskontrollen überwachen die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Bei regelmässiger Einnahme bleibt die Therapie im allgemeinen jahr(zehnt)elang wirksam. Meist wird eine Kombination von drei Medikamenten eingesetzt, im einfachsten Fall als eine Tablette, die einmal täglich einzunehmen ist. Nur noch vereinzelt ist die Einnahme von der Nahrungsaufnahme abhängig.

AIDS, Verläufe ohne AIDS

Als «Stadium AIDS» wird bezeichnet, wenn es bei Vorliegen einer HIV-Infektion zu zusätzlichen, genau definierten Krankheitserscheinungen kommt. Dabei handelt es sich zumeist um Erkrankungen durch Erreger, mit denen der Körper auch sonst Kontakt hat. Erst durch einen deutlichen Abfall der Helferzellen und somit Rückgang von Abwehrmechanismen kann es zu den Krankheitszeichen kommen. Daher treten diese AIDS-definierenden Erkrankungen zumeist erst auf:

  • wenn eine HIV-Infektion erst spät diagnostiziert wurde
  • wenn bei bekannter HIV-Infektion und Abfall der Helferzellen eine empfohlene antiretrovirale Therapie abgelehnt wurde.

In den Industrienationen ist die häufigste AIDS-definierende Erkrankung eine spezielle Form von Lungenentzündung (Warnzeichen: Fieber, Husten und Luftnot). Diese gefährliche Erkrankung verschuldet auch heute noch eine Sterblichkeit von etwa 10%. Weitere Infektionen, aber auch bösartige Tumore, können alle Organsysteme befallen, besonders häufig betroffen sind aber das Hirn, die Augen, der Magen-Darm-Trakt, die Lungen und die Haut. Nicht selten treten mehrere AIDS-definierende Erkrankungen gemeinsame auf.

Bei Diagnose in den ersten Jahren nach der Infektion und Start einer antiretroviralen Therapie spätestens vor Abfall der CD4-Zellen unter 350 Zellen/Mikroliter ist das Auftreten von AIDS-definierenden Erkrankungen ausgesprochen selten geworden.

Lebenserwartung

Die Heilung von HIV ist weltweit einem extremen Sonderfall vorbehalten. Bei sehr frühem Therapiestart (in den ersten Tagen/Wochen einer frischen HIV-Infektion) konnte vereinzelt nach den ersten Therapiejahren eine stabile Immunsituation auch ohne ART beobachtet werden.

HIV-Patienten können weitgehend die gleiche Lebenserwartung wie Nichtinfizierte erreichen, insbesondere wenn Risikofaktoren für eine vorzeitige Alterung des Herz-Kreislauf-Systems vermieden werden (kein Rauchen, Behandlung von Bluthochdruck).