Gesundheitszentrum für die Community

Checkpoint ist ein Gesundheitszentrum für die Community für schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, und für Transmenschen und ihre Angehörigen.

Sexuelle Gesundheit

Safer Sex

Die Safer-Sex-Regeln

• Bei eindringendem Verkehr (anal, vaginal) immer ein Kondom verwenden

• Kein Sperma und kein Blut in den Mund

In Bezug auf das Übertragungsrisiko von HIV oder einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit (STI) müssen bei Transmenschen einige Dinge beachtet werden, insbesondere wenn sie in Hormonbehandlung sind und/oder sich genitalangleichenden Operationen unterzogen haben. Die individuelle Situation muss bei der Beurteilung des Risikos immer berücksichtigt werden.

Es ist leider nicht möglich, Begriffe für die Körper von Transmenschen zu finden, die der Vielfalt von Transkörpern und Identitäten gerecht werden und die alle Transmenschen für sich zutreffend finden. Auch myCheckpoint.ch hat dafür keine Patentlösung. Die verwendeten Begriffe sind elementare, allgemeinverständliche Bezeichnungen für Körperteile und sind losgelöst von Identitäten zu verstehen. Dass diese Begriffe hier verwendet werden, heisst nicht, dass alle Transmenschen diese Begriffe für sich akzeptieren.

Transfrauen
Eine Hormonbehandlung und/oder eine erfolgte Genital-Operation schliessen für Transfrauen das Risiko nicht aus, HIV oder andere STI zu übertragen oder sich damit zu infizieren.

Penetrativer (eindringender) Verkehr

Wenn du in Hormonbehandlung bist und deine ursprünglichen Geschlechtsorgane beim Sex einsetzt, bedeutet ein flüssigeres und durchsichtigeres Sperma nicht, dass du nicht HIV oder andere STI übertragen kannst oder nicht mehr zeugungsfähig bist. Benutze daher beim Geschlechtsverkehr ein Kondom.

Das Gleiche gilt, wenn du eine Neovagina hast: Verlange beim Geschlechtsverkehr von deinem Partner (oder deiner Partnerin), dass ein Kondom benutzt wird, oder benutze selbst ein Femidom© (innerlich anwendbares Kondom). Spare ausserdem nicht an Gleitmittel, denn die Haut einer Neovagina ist für die Ansteckung mit HIV und anderen STI sehr empfänglich.

Durch Hormone und Testosteron-Blocker lässt die Libido oft nach. EEine Erektion, die das Eindringen in eine_n Partner_in ermöglicht, kann sich als schwierig erweisen. In diesem Fall kann man einen Cockring zu Hilfe nehmen. Cunnilingus, Fellatio und Anilingus.

Wenn du dir die Scheide lecken lässt, besteht für dich als Transfrau kein HIV-Infektionsrisiko, wenn du deine Partner_in leckst – nur wenn Menstruationsblut vorhanden ist. Allerdings können beim Lecken der Scheide andere STI übertragen werden. Die Risiken in Zusammenhang mit einer Neovagina im Vergleich zu einer Nicht-Trans*Vagina sind kaum bekannt. Es wird empfohlen, sich vorsichtshalber mit einem «Dental Dam», einem Latextuch oder einer Haushaltfolie zu schützen.

Material zum Schutz

Bei Fellatio und Anilingus unterscheiden sich die Risiken nicht von denjenigen für Nicht-Transmenschen.

Küssen und Lecken

Schere

Bei der «Scherenposition» (Scheide gegen Scheide) ist das HIV-Übertragungsrisiko gering (ausser während der Menstruation de_r Partner_in). Allerdings besteht ein reales Risiko, eine andere STI zu übertragen oder sich damit zu infizieren, da sich in dieser Stellung ein «dental dam» oder Latextuch nur schwer verwenden lässt.

Fingerspiele

Bei analen oder vaginalen Fingerspielen besteht kein Risiko einer HIV-ÜbertragungEs können sich aber Bakterien, Parasiten oder Viren an den Fingern befinden und auf diese Weise übertragen werden. Das ist besonders beim Wechsel von Anus zu Scheide zu beachten.

Masturbieren

Harte Praktiken

Wenn du eine Neovagina hast und dich gern vaginal fisten lässt, achte auf die Widerstandsfähigkeit deiner Vagina (deren Elastizität geringer ist als bei einer Nicht-Trans*-Vagina). Erhöhte Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn du erst kürzlich operiert worden bist. Trage beim Fisten immer einen Handschuh und versichere dich, dass die Person, die dich anal oder vaginal fistet, ebenfalls einen Handschuh benutzt und diesen auch nur für eine Person verwendet. Für andere harte Praktiken gibt es keinen Unterschied zu Nicht-Transmenschen.

Hard

Transmänner
Transmänner können HIV oder andere STI-Erreger übertragen oder sich damit infizieren, egal ob sie in Hormonbehandlung sind und/oder genitalangleichende Operationen hatten.

Penetration und Fellatio

Wenn du die Gebärmutter/Eierstöcke nicht entfernen lassen hast, schützt dich Testosteron nicht vor einer Schwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ist zwar gering − vor allem wenn du keine Regelblutung mehr hast −, aber nicht gleich null. Sorge für eine angemessene Verhütung, wenn du nicht schwanger werden willst.

Fortpflanzung und Verhütung

Für Transmänner mit einem Neopenis (Phalloplastik oder Metaidoioplastik) gibt es zur Zeit keine zuverlässigen Daten über das HIV/STI-Infektionsrisiko bei Penetration oder Fellatio. Vorsichtshalber solltest du ein Kondom benutzen. Im Falle einer Metaidoioplastik kannst du einen Fingerling verwenden, wenn ein herkömmliches Kondom nicht passt (Fingerling selber anfertigen). 

Wenn du eine Phalloplastik ohne Erektionspumpe hast und in eine_n Partner_in eindringen möchtest, kannst du eine hohle Penisprothese benutzen. Falls du eine Erektionspumpe hast, kann die Erektion mithilfe eines Cockrings verstärkt werden.

Material zum Schutz

Cunnilingus und Anulingus 

Beim Lecken der Vagina besteht kein HIV-Übertragungsrisiko, sofern während der Menstruation auf diese Sexualpraktik verzichtet wird . Allerdings können auf diesem Weg andere STI übertragen werden. Schutz bieten ein «dental dam», ein Latextuch oder Haushaltfolie.

Bei Anilingus bestehen dieselben Risiken wie für Nicht-Transmenschen.

Küssen und Lecken

Schere

Die «Scherenstellung» (Vulva gegen Vulva) ist mit einem geringen HIV-Übertragungsrisiko verbunden, wenn sie nicht während der Menstruationsphase praktiziert wird. Allerdings besteht ein reales Risiko, eine andere STI zu übertragen oder sich damit zu infizieren, da es in dieser Stellung nicht gut möglich ist, sich mit einem «dental dam», Latextuch oder Haushaltfolie zu schützen.

Fingerspiele

Bei analen oder vaginalen Fingerspielen besteht kein Risiko einer HIV-Übertragung. Doch Vorsicht bei Hautverletzungen der Vagina oder des Anus! Diese könnten Eintrittspforten für andere STI bilden. Ausserdem Es können sich aber Bakterien, Parasiten oder Viren an den Fingern befinden und auf diese Weise übertragen werden. Das ist besonders beim Wechsel von Anus zu Scheide zu beachten.

Masturbieren

Harte Praktiken

Die Übertragungsrisiken und Schutzmethoden bei harten Praktiken unterscheiden sich nicht von denjenigen für Nicht-Transmenschen. Weiterführende Informationen zu harten Sexualpraktiken finden sich im entsprechenden Kapitel:

Hard

 

Was ich will und was ich nicht will

Fortpflanzung und Verhütung

Gynäkologie

Urologie und Andrologie

Ressourcen

Was ich will und was ich nicht will 

Deine Wünsche und Abneigungen bezüglich Sexualität und Sexualpraktiken kennst nur du, und nur du kannst sie mitteilen. Dein Körper, deine Privatsphäre und Gesundheit sind dein persönliches Gut und du entscheidest, wie du damit umgehen willst.

Dein Körper und deine Privatsphäre

Deine Privatsphäre gehört dir und du bestimmst, was du von dir, deinem Körper und/oder deiner Identität preisgeben möchtest. Wenn du ausgehst, um Sex zu haben, dann versuche dir im Voraus klarzumachen, was du über dich sagen willst und was nicht – auch wenn solche Dinge manchmal nur schwer vorausbsehbar sind!

Deine Gesundheit

Es kann vorkommen, dass mögliche Sexualpartner von dir Dinge verlangen, die du nicht tun möchtest, wie z. B. kein Kondom zu benutzen. Lass dich nicht überreden: Es ist bestimmt keine gute Sache, wenn eine Person bereit ist, deine und die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen! Eine Person kann nämlich HIV oder eine andere STI haben, ohne dass man ihr das anmerkt und sogar ohne dass sie es selber weiss.

Wenn du im Ausgang Sex haben willst, dann nimm Kondome und Gleitmittel mit und versuche eine klare Vorstellung davon zu haben, welche Sexualpraktiken für dich in Frage kommen und welche nicht.

Material zum Schutz

Fortpflanzung und Verhütung

Andere Verhütungsmethoden als das Kondom schützen nicht vor einer HIV/STI-Übertragung oder -Infektion.

Neben den konventionellen Verhütungsmitteln (Kondome, Spirale, Antibabypille usw.) kann eine langfristige Hormontherapie eine Fortpflanzung verhindern. Nach Beginn der Hormoneinnahme braucht es allerdings je nach persönlicher Konstellation und Art der Hormontherapie (Produkt, Dosis usw.) eine bestimmte Zeit, bis die Fortpflanzungsfähigkeit theoretisch bei null liegt. Sprich darüber mit deiner Endokrinologin oder deinem Gynäkologen.

Notfallverhütung für Transmänner

Wenn du als Transmann Gebärmutter und Eierstöcke hast, kannst du nach einem ungeschützten oder schlecht geschützten Vaginalverkehr (mit oder ohne Ejakulation) eine Notfallverhütung anwenden.

Was ist eine Notfallverhütung?

Es handelt sich dabei um Tabletten – auch als "Pille danach" bezeichnet –, die das Risiko einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Vaginalverkehr stark reduzieren.

Wann muss die Pille eingenommen werden?

Spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Umso früher die Einnahme erfolgt, desto grösser ist die Wirkung.

Wo ist die Pille erhältlich?

  • Bei den Zentren für Familienplanung und sexuelle Gesundheit
  • Rezeptfrei in der Apotheke (25 bis 40 Franken)
  • Auf den Notfallstationen der Spitäler

Die Notfallverhütung schützt weder vor HIV noch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Informiere dich beim Checkpoint über die Möglichkeiten einer PEP, einer Impfung gegen Hepatitis A und B und einer STI-Testung.

Gynäkologie

Für Transfrauen mit einer Neovagina und für Transmänner mit den ursprünglichen Geschlechtsorganen wird eine regelmässige gynäkologische Untersuchung (jährlich oder alle zwei Jahre) empfohlen, auch wenn diese nicht sehr angenehm ist. Die Vorsorgeuntersuchung dient dazu, mögliche STI und andere Infektionen sowie Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Wenn du keine Ärztin oder keinen Arzt hast, kann dir die Beratung für Transmenschen des Checkpoint Zürich oder Lausanne mit Adressen von trans*freundlichen Gynäkologen weiterhelfen.

Transfrauen

Neben der Kontrolluntersuchung der Neovagina (auf Infektionen, Pilzkrankheiten usw.) wird ein regelmässiges Abtasten der Brüste empfohlen, um ungewöhnliche Veränderungen zu erkennen, die Anzeichen für einen Tumor sein könnten. Eine Mammographie kann ebenfalls sinnvoll sein. Hier gelten dieselben Empfehlungen wie für Nicht-Transfrauen.

Der Pap-Abstrich (Krebsabstrich auf dem Gebärmutterhals) ist für Transfrauen mit einer Neovagina nicht notwendig, ausser wenn ein Teil der angeborenen Eichel für die Bildung eines Neogebärmutterhalses verwendet wurde, was jedoch meistens nicht der Fall ist.

Transmänner

Für Transmänner mit ihren ursprünglichen Geschlechtsorganen ist eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung (Infektionen, Pilzkrankheiten usw.) und insbesondere ein Krebsabstrich auf dem Gebärmutterhals sinnvoll, um mögliche Krebszellen oder Vorstufen von Krebszellen frühzeitig zu erkennen.

Eine HPV-Impfung wird in diesem Fall ebenfalls empfohlen. Die Impfkosten werden von den Krankenkassen für Personen, die bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wurden, bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres übernommen. Der Gebärmutterhals wird nicht bei allen Hysterektomien (Entfernung der Gebärmutter) entfernt. Wenn du die Gebärmutter entfernen lassen hast, aber den Gebärmutterhals noch besitzt, ist eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung ratsam.

Wenn du Testosteron einnimmst und dich keiner Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke) oder Hysterektomie unterzogen hast, wird zusätzlich empfohlen, die Grösse der Gebärmutter und der Eierstöcke zu kontrollieren. Die Hormone können manchmal die Entstehung von Zysten auf den Eierstöcken begünstigen. In gewissen Fällen kann Testosteron auch eine Atrophie der Eierstöcke bewirken. Wenn du die Fortpflanzungsfähigkeit bewahren möchtest, denke daran, die Grösse der Eierstöcke regelmässig untersuchen zu lassen.

Urologie und Andrologie

Transfrauen

Eine regelmässige andrologische Vorsorgeuntersuchung wird für alle Transfrauen empfohlen, um die Prostata zu kontrollieren. Falls Hoden vorhanden sind, ist ausserdem eine Untersuchung zur Erkennung einer möglichen Krebserkrankung ratsam.

Transmänner

Es gibt derzeit keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu speziellen Gesundheitsrisiken in Bezug auf den Neopenis. Eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung des Neopenis und eventueller Implantate (Hoden, Erektionsprothese) wird vorsichtshalber empfohlen.

Ressourcen